HAVE YOU EVER KILLED SOMEONE?

GERMAN … Eine Frage, die mir während des ganzes Gespräches auf der Zunge lag und doch konnte ich sie nicht stellen.

Es war ein Samstagnachmittag im Metropolitan Museum, um genau zu sein der 29. Juli 2017, als ich Dave getroffen habe.

Er saß in der Mitte dieses gewaltigen Gebäudes vor einem dieser neu-modischen Bilder, die mich nicht wirklich interessieren. Streifen und Punkte auf einem weißen Hintergrund. Aber Dave saß da nicht einfach, wie jemand der auf seine Frau wartet oder eine Pause macht. Er war fokussiert, es schien als würde er das Bild praktisch in sich aufsaugen und jeden Streifen und Punkt von unten bis oben betrachten.

Am Anfang hat es mich nicht wirklich interessiert. Aber irgendwie war ich trotzdem neugierig und deshalb ging ich am Ende meines Besuches nochmal vorbei. Und ich sollte Recht behalten: er saß noch immer vor dem Bild und es schien als könnte nichts ihn davon abhalten es zu betrachten.

Also versuchte ich mein Glück und sprach ihn an. Was folgte sollte eines der deprimierendsten und zugleich beeindruckendsten Geschichten werden, die ich bislang gehört hatte.

„Ich komme hier jeden Samstag her und setze mich vor dieses Bild. Ich weiß nicht genau was es ist, was mich so sehr daran fasziniert, aber ich kann einfach nicht aufhören es anzustarren. Es beruhigt mich irgendwie so sehr und wenn ich hier sitze, kann ich die Welt um mich herum für ein paar Stunden vergessen.“

Dave ist 42 Jahre alt und lebt auf der Upper West Side von New York. Er ist ein ehemaliger Soldat der U.S. Army.

„Weißt du, der 11. September 2001, hat mein Leben verändert. Ich lebte damals noch nicht in New York, ich kam aus einer ländlichen Gegend in South Carolina und führte bis dahin ein recht normales Leben.

Dieser Tag hat nicht nur das Leben der Menschen im Flugzeug oder im World Trade Center verändert. Aber auch das Leben tausender Soldaten und Zivilisten.

Ein paar Monate nach dem Angriff war es auch Zeit für mich. Meine Truppen und ich wurden nach Afghanistan geschickt. Ich war mir nicht sicher, was ich erwarten sollte. Ich dachte, es würde ein paar Monate dauern und meine Gruppe und ich würden sicher in die USA zurückkehren.

Aber das wurde nicht bestätigt. Wenn du eine Vorstellung von der Hölle hast, war das noch viel schlimmer. Insgesamt war ich drei Jahre in Afghanistan stationiert, bis ich wegen psychischer Probleme in die USA zurückgeschickt wurde

Ich habe Freunde und Brüder neben mir sterben sehen. Wie sie in leere Baracken rannten, die ein paar Sekunden später in die Luft gesprengt wurden. Ich habe gesehen, wie Kinder entführt, erschossen oder verbrannt wurden. Ich habe mehr Leid und Elend gesehen, als ich mir in meinen dunkelsten Träumen vorgestellt habe.“

– Dave hat mir auch einige Geschichten erzählt, die ich an dieser Stelle nicht erwähnen möchte. Einerseits, weil ich seine Geschichte respektiere und andererseits, weil ich denke, dass es unangemessen ist. –

Nichtsdestotrotz gab es eine Frage, die mir während unseres ganzen Gesprächs nicht aus dem Kopf gegangen ist. Und Dave wusste das.

„Willst du nichts Anderes mehr wissen? Eine Frage, die mir in meinem Leben schon oft gestellt wurde, obwohl viele Menschen meistens Angst haben, mich danach zu fragen.

Ja ich habe getötet. Ich habe Leute erschossen, die meine Truppen und mich angegriffen haben. Ja, wahrscheinlich habe ich auch schon auf Zivilisten geschossen, denn manchmal ist es nur ein geringer Grad zu erkennen, wer zu welcher Seite gehört.

Das Einzige, was ich nie getan habe, ist ein Kind zu verletzen. Das ist eine Grenze, die ich niemals überschreiten könnte. „

Da war sie die Antwort. Und obwohl ich sie eigentlich bereits vorher wusste, schockierte sie mich dennoch.

„Es ist wichtig, dass du dich im Krieg immer daran erinnerst, wer du bist und woher du kommst. Denn es wird Zeiten geben, in denen du voller Hass bist. Du darfst nicht zulassen, dass der Hass dich kontrolliert, denn in solchen Zeiten gibt es nichts Wichtigeres als Zusammenhalt und Liebe. Aber das ist hart und manchmal willst du dich nur rächen für das, was sie dir oder deinen Brüdern angetan haben. „

Inzwischen lebt Dave seit mehreren Jahren hier in New York. Auch heute besucht er noch jede Woche einen Psychologen.

„Ich habe lange gebraucht, um wieder ein normales Leben zu führen. Mittlerweile habe ich einen Job, seit 3 ​​Jahren eine feste Beziehung und ich gehe wieder mit Freunden aus. All das konnte ich jahrelang nicht tun. Als ich zurück kam wusste nicht, wer ich war und was ich von nun an mit meinem Leben anfangen würde.

Und dieses Bild, das ich jeden Samstag betrachte, hat mir so sehr geholfen, meinen Platz im Leben wieder zu finden. Immer wenn ich mich schlecht fühle, komme ich hierher und schaue es mir an. Wie andere sagen würden: Er starrt wieder auf die Wand. Aber egal was die Leute denken und egal was du jetzt denkst Theresa. Hier zu sitzen, gibt mir Kraft und Hoffnung. Ich hoffe, dass ich all diese schlechten Erfahrungen eines Tages vergessen werde und einfach ein normaler Mann sein werde.

Ich bin dankbar, dass ich diese Jahre überlebt habe, und ich bete für jeden Menschen in Syrien, im Irak oder wo auch immer auf dieser Welt, dass sie so viel Glück haben wie ich. „

Wie bei so vielen Gesprächen, die ich im Laufe der Zeit geführt habe, muss ich nochmals Danke sagen. Danke an Dave, dass er so offen und ehrlich mit einer Fremden wie mir über seine Geschichte gesprochen hat. Ich weiß, dass das nicht immer selbstverständlich ist und dass ich auf Menschen wie Dave und ihren Mut angewiesen bin. Und dafür bin ich unglaublich dankbar.


 

ENGLISH … A question that laid on my tongue during the whole conversation and yet I could not ask it.

It was a Saturday afternoon at the Metropolitan Museum to be exactly the 29th of July, 2017 when I met Dave. He was sitting in the middle of this huge building. In front of one of these new-fashioned pictures, that do not really interest me. Strokes and dots on a white background. But Dave did not just sit there like someone who was waiting for his wife or taking a break. No, he was focussed, it seemed as if he soaks up the picture looking at every stroke and every point from below to above.

At first, I was not really caring about it. But still I was curious and so I went back at the end of my visit. Only to be right: he was still sitting there in front of this picture and it seemed as if nothing could stop him from looking at it.

I tried my luck and spoke to him. What followed should become one of the most depressing and at the same time most impressive stories I heard in my life.

„I come here every Saturday and sit down in front of this picture. I do not know what it is that fascinated me so much but I can not stop staring at it. It’s so calming to me and when I look at it, I forget the world around me for a couple of hours.“

Dave is 42 years old and lives on the Upper West Side of New York. He is a former soldier of the U.S. Army.

„You know, September 11th 2001 changed my life. I was not living in New York at that time, I came from a rural area in South Carolina and led a normal life to this day.
This day has not only changed the lives of people on the airplanes or the World Trade Center. But also the lives of thousands of soldiers and civilians.
A few months after the attack, it was also time for me. My troops and I were sent to Afghanistan. I was unsure what to expect. I thought it would take a few months and my group and I would return to the US safely.
But that wasn’t the case. If you have an idea of ​​hell, this was even worse. All in all, I was stationed in Afghanistan for three years, until I was sent back to the United States for psychological instability.

I’ve seen friends and brothers dying next to me. How they ran into empty barracks, blown up a few seconds later. I’ve seen children being kidnapped, shot, or burned. I’ve seen more suffering and misery than I imagined in my darkest dreams.“

– Dave has also told me some stories that I do not want to tell at this point. On the one hand because I respect his story and on the other because I think it is inappropriate. –

Nevertheless, there was one question that did not go out of my mind during our whole conversation. And Dave knew that.

„Don’t you want to know anything else? A question that has often been asked to me in my life, although many people are afraid to ask it.
Yes I have killed. I shot people who attacked my troops and me. Yes, I have probably already shot at civilians, because sometimes it is a narrow degree to recognize who belongs to which side.
The only thing I’ve never done is hurting a child. This is a limit I could never cross.“

There she was the answer. And although I actually knew it already, it still shocked me.

„In war it is important that you always remember who you are and where you come from. Because there will be times when hate controls you mind. You must not allow this, because in such times there is nothing more important than sticking together and love. But that is hard and sometimes you just want to take revenge, for what they did to you or your brothers. „

Meanwhile, Dave has been living here in New York for several years. Even today attends a psychologist every week.

„It took me a long time to lead a normal life again. Meanwhile, I have a job, a firm relationship for 3 years now and I go out with friends again. All this I have not been able to do for years. When I came back I did not know who I was and what I would do with my life from then on.

And it is this picture, which I look at every saturday, that has helped me so much to find my place in life. Whenever I feel bad, I come here and look at it. As others would say: He stares at the wall again. But no matter what people think, and no matter what you think now Theresa. To sit here gives me strength and hope. Hope that I will forget all this bad experiences one day and just be a normal man.
I am grateful that I have survived these years, and I pray for every human in Syria, in Iraq, or wherever it is in this world, that they are as lucky as I was.“

As with so many conversations, which I have managed over time, I have to say thank you again. Thanks to Dave for speaking so frankly and honestly with a stranger like me about his story. I know that is not always self-evident and that I am dependent on people like Dave and their courage. And I am totally thankful for that.

 

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